Walzenmühle Arthur Weidling Hansestadt Stendal
Walzenmühle Stendal Arthur Weidling

39567 Hansestadt Stendal, Fabrikstraße 5, Landkreis Stendal
Koordinaten: 52.605301, 11.867130
Eigentümer(in): DRK Kreisverband Östliche Altmark e.V.
Das Objekt ist als Kulturdenkmal ausgewiesen. - Erfassungsnummer: 094 75681
Dampfmühle, Dampfmaschine(n)
Nutzungsarten: Getreidemühle

Baujahr: 1903, Betrieb bis: 1993
Zustand: abgebrochen
Die eigentliche Mühle wurde am 10.02.2011 gesprengt, da der Komplex obwohl denkmalgeschützt, immer wieder das Ziel von Brandstiftern war. Zuletzt hatte 2006 (2007) ein Großfeuer den Gebäuden und Anlagen erheblichen Schaden zugefügt. Die Mühle war als solche nicht mehr zu retten und wurde nun abgetragen.
Heute ist hier der Sitz des DRK Senioren- und Betreuungszentrum "Am Schwanenteich", nur noch ein Rest der ehemaligen Umzäunung erinnert an die Mühle.

Die Dampfmühle Arthur Weidling war (meines Wissens zufolge) die erste "moderne Mühle" in Stendal. Sowohl die frühere Wassermühle als auch die bis zu 14 Windmühlen rund um die Stadt hatten längst ihre Existenzgrundlage verloren. Sie hätten mit dieser Entwicklung auf Dauer ohnehin nicht Schritt halten können, und das war nicht nur in Stendal so. Landauf landab gaben immer mehr Windmüller auf, viele versuchten mit einer neu gebauten Motormühle ihren Anteil am Markt zu behaupten, was aber letztendlich nur ein Aufschub war.
Zwar brachten die beiden Weltkriege diesbezüglich eine gewisse Planungssicherheit auch für die Kleinmühlen durch die Kontingentierung und Zuteilung von Mahlgut, aber in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Zeit der Kleinmühlen vorbei. Bis auf wenige Ausnahmen, die oft noch aus Traditionsbewusstsein weiter arbeiten, sind es heute nur noch eine Handvoll Großmühlen, die uns mit Brotmehl und anderen Mahlprodukten versorgen.

Ursprünglich verfügte die Dampfmühle von A. Weidling über eine Zweizylinder Heißdampfmaschine mit einer Leistung von 60 PS, die Maschine stammte aus der Ascherslebener Maschinenbau Act.-Gesellschaft. (Quelle: Dampfmaschinen und Lokomtiven A. Gieseler)

Nach dem II. WK begann man in der DDR Unternehmen zu verstaatlichen. Viele Unternehmer verließen aus den unterschiedlichsten Gründen die DDR gen Westen und innerhalb kurzer Zeit wurden aus zahllosen Privatunternehmen 'Volkseigene Betriebe' die VEB, so auch die Walzenmühle Stendal. Sie wurde nach 1945 enteignet und als VEB weitergeführt. Ab Mitte der 1960er Jahre gehörte diese Mühle zum Betrieb des VEB Magdeburger Mühlenwerke, im Zuge der Kombinatsbildung wurde die Mühle dann zum Betriebsteil III.

In den 1960 Jahren erfolgte eine umfangreiche Modernisierung u.a. mit Walzenstühlen aus dem VEB Maschinen- und Mühlenbau Wittenberg vom Typ W50, die Getreidereinigung wurde um eine Waschanlage ergänzt, das Vermahlungsdiagramm der Roggenmühle wurde komplett umgestellt als Kurzmahlverfahren, was zu der Zeit hochaktuell war.
Die hier erwähnten 'W50-Walzenstühle' hatten nichts mit dem allseits bekannten LKW aus dem Fahrzeugwerk Ludwigsfelde zu tun, es sei denn, sie wurden mal damit transportiert.

Große Mengen der Produktion gingen dann als 'Weizendunst' an den VEB Möve-Teigwarenwerk in Waren (Müritz) und landeten dann als Nudeln auf unseren Tischen.

Bis 1990 mahlte die Mühle unaufhaltsam für den Sieg des Sozialismus, dann erfolgte eine Privatisierung mit alsbaldiger Stilllegung. Letztendlich wurde die leerstehende Mühle durch mehrfache Brandstiftungen so schwer geschädigt, dass sie, obwohl in die Liste der Kulturdenkmale der Hansestadt Stendal aufgenommen, zugunsten eines Neubaus für den Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes abgebrochen wurde. An den historischen Mühlenstandort erinnert lediglich das Tor zum ehemalien Mühlengrundstück.

Altmark Zeitung online zur Sprengung der Mühle

Oftmals die letzten Zeugnisse für die Existenz einer Mühle sind die sogenannten 'Mehlsackanhänger' oder schlicht 'Sackkarten' und Rechnungsvordrucke. Nach der vom DDR Ministerium für Lebensmittelindustrie zum 22.12.1955 ergangenen Anordnung über die Kennzeichnung von Mahlerzeugnissen aus Weizen und Roggen (GBl. Teil I, S. 52) sind neue einheitliche Mehlsacketiketten in der gesamten Mühlenindustrie der Deutschen Demokratischen Republik eingeführt worden.
Quelle: Jahrbuch Müllerei und Mühlenbau 1957, Fachbuchverlag Leipzig, Seite 130/131.

Zwei der in dieser Mühle gebräuchlichen Karten sind hier abgebildet, daneben der Eintrag im Branchen-Fernsprechbuch der Bezirke Magdeburg und Halle, Ausgabe 1982, Seite 383.

Bilder zur Mühle Artur Weidling



In der 'Sammlung: A. Wetzig, Eisengiesserei und Maschinenfabrik für Mühlenbau (Deutsches Technikmuseum)' findet sich ein Projekt zum Umbau der Roggenreinigung für Herrn Artur Weidling, Stendal


Die letzten beiden Bilder zeigen einen Firmenbriefkopf und daneben die Einträge in den genannten Adressbüchern.



aktualisiert Montag d. 13.06.2022